Eine regionale Tradition wurde 1995 zu einem internationalen Ereignis. Die UNESCO erklärte den 23. April zum „Welttag des Buches“. Einem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken.

Passend zum Welttag des Buches veröffentliche ich auf dem Blog meine erste Rezension. Ich hatte mich als Testleserin beworben und mir wurde das nachfolgende Buch kostenlos zur Verfügung gestellt.

Dennoch gilt: Mein Blog – Meine Meinung!

Dieses Buch erzählt eine fiktive Geschichte vor dem realen Hintergrund der sogenannten Mutter-Kind-Heime in Irland und Großbritannien. Dieses waren meist kirchlich geführte Heime, in die junge ledige Frauen abgeschoben wurden, die ungewollt schwanger wurden. Sie wurden dort schlecht behandelt, oft misshandelt und zu schwerer Arbeit gezwungen, sie sollten ihre „Schuld“ abarbeiten. Ihre Kinder wurden ihnen gegen ihren Willen weggenommen und zur Adoption freigegeben. Die Heime profitierten finanziell aus der Aufnahme der jungen Mütter und durch die Vermittlung der Adoptionen.

Sussex, England, 1956. Die junge Ivy wird ungewollt schwanger. Sie wird von ihrem Stiefvater fortgeschickt nach St. Margaret’s, ein Heim für ledige Mütter. Ivy wird dieses Heim nie wieder verlassen.

Sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam, Ivys Briefe im Haus ihrer Großmutter, bei der sie derzeit mit ihrer kleinen Tochter lebt, da sie sich vorübergehend von ihrem Mann getrennt hat. Sams Neugier und berufliches Interesse sind geweckt. Wie sind diese Briefe ins Haus der Großeltern gekommen und was hat es damit auf sich? Sie beginnt über das ehemalige Heim zu recherchieren. Dabei stößt sie auf schreckliche Geheimnisse rund um das St. Margaret’s Heim, die sich bis in ihre eigene Gegenwart ziehen.

Die Autorin erzählt die Geschichte abwechselnd auf den zwei Zeitebenen. So erfährt man einerseits, wie Sam nach und nach mit ihren Recherchen vorankommt, andererseits werden die Verhältnisse unter denen Ivy und die im Heim geborenen Kinder ausführlich beschrieben. Für mich ist es unfassbar, dass dieses so tatsächlich in den 1950er Jahren passieren konnte, dass eine derartige Vorgehensweise zu dieser Zeit noch möglich und üblich war. Mir war auch nicht bewusst, dass es diese Heime auch in Großbrittanien gegeben hat. Über derartige Heime in Irland hatte ich schon einmal gehört.

„Das Haus der Verlassenen“ ist eine sehr bewegende Geschichte über ein dunkles Kapitel der irischen und britischen Geschichte. Ich mag die Verbindung der damaligen Ereignisse mit der Gegenwart. Der Autorin ist ein lesenswerter informativer Roman gelungen, der an all die Frauen erinnert, die dieses Schicksal ertragen mussten und häufig bis heute nichts über ihre Kinder wissen.