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Heute ist der Internationale Tag der Vergebung und deshalb geht es im #vielleichter2021 ABC heute um das Thema V … wie Vergebung.

Mich beschäftigt dieses Thema schon eine Weile. Ich für mich finde Vergebung schwierig, ich muss mich sehr bemühen, jemanden zu vergeben und das große “Aber” nicht in den Vordergrund zu stellen. Mein großes Elefantengedächtnis ist für die Fähigkeit zur Vergebung auch nicht sehr hilfreich.

Es geht mir ähnlich wie beim Thema “Entschuldigungen“, bei denen es mir schwerfällt diese zu akzeptieren, wenn keine Verhaltensänderung dahinter steht oder beim Umgang mit Kränkungen, weil ich noch lange, sehr lange Zeit genau weiß, wie ich mich in dem Augenblick gefühlt habe und das die Vergebung für mich sehr schwierig gestaltet.

Holding on to anger is like drinking poison and expecting the other person to die.

Buddhistisches Sprichwort


Vergebung hat aber nichts mit der anderen Person zu tun. Sondern nur mit mir selber. Die andere Person war böse. Darüber hatte/habe ich keine Kontrolle, worüber ich aber die Kontrolle habe, sind meine Gefühle … ich kann kontrollieren, was die Aussage/die Tat der anderen Person mit mir macht.

Destruktive Gedanken an Ereignisse aus der Vergangenheit und Gefühle wie Wut, machen das Erlebte nicht einfacher oder besser, sondern verschlechtern die Gesamtsituation häufig noch. Bei mir ist es oft auch Wut/Enttäuschung über mich selber, über meine Reaktion in den entsprechenden Situationen.

Diese Gedanken und Gefühle sind in einem gewissen Rahmen/über einen gewissen Zeitraum normal, aber irgendwann werden sie ungesund. Es macht krank, wenn man diese Ereignisse nicht loslässt und nicht vergeben kann.

Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen …

Warum sollte ich nun jemandem vergeben, der mir mein Leben schwer macht, selbst keinen Funken Einsicht oder Willen zur Veränderung zeigt? Warum sollte ich diesem Menschen vergeben? Weil ich sonst in der Opferrolle bleibe, anderen die Schuld gebe und das Gefühl habe, dass ich machtlos bin.

Vergebung zeigt, dass ich nicht machtlos bin

Ich war damals/in diesem einen Moment/in dieser einen Zeit/zum Zeitpunkt der Kränkung/Verletzung machtlos. Diese Vergangenheit ist unveränderbar, aber jetzt kann ich ein anderes Leben führen/anders reagieren. Meine Vergangenheit beeinflusst mein jetziges Leben und meine Zukunft nur so viel, wie ich es zulasse. Sobald ich vergebe, nehme ich der Kränkung die Macht über mein Leben.

The weak can never forgive. Forgiveness is the attribute of the strong.

Mahatma gandhi

Vergebung bringt mich in die Selbstverantwortung

Ich kann aus der Vergangenheit lernen und mich beim nächsten Mal anders verhalten. Früher STOP sagen, nicht so viel zulassen, für mich selber einstehen. Ich kann die jeweilige Situtation noch einmal nachspüren und schauen, wo ich früher eine Grenze hätte ziehen können, mich anders verhalten können. Und dann lasse ich dieses Ereignis los.

Selbstvergebung

Ich suche die “Schuld” oft nicht bei anderen sondern bei mir selber. Daher finde ich das Konzept der Selbstvergebung für mich sehr ansprechend.

Ich vergebe mir, dass ich in der jeweiligen Situation noch nicht anders handeln konnte, noch nicht für mich selber einstehen konnte, dass mich dieses Ereignis viel zu lange beschäftigt hat.

Selbstverständlich funktioniert das auch anders herum: wenn ich mich jemand anderem gegenüber nicht korrekt verhalten habe, impulsiv reagiert habe oder etwas gesagt habe, was mir im Nachhinein Leid tut, dann kann ich mir auch dieses Verhalten vergeben … und mich selbstverständlich bei dem Anderen entschuldigen.

Ich vergebe mir derzeit gerade, dass ich Anfang des Jahres nicht früher auf meinen Körper gehört habe. Ein sehr befreiendes Gefühl. Ich kann es rückwirkend nicht mehr ändern. Ich habe mich sehr über mich geärgert und mit mir gehadert, aber davon werde ich nicht wieder gesund. Es verbraucht nur unendlich viel Kraft.

Aber in Zukunft kann ich es anders/besser machen.

Diese Selbstvergebung ist ein guter Anfang und ein sehr gutes Übungsfeld. Irgendwann gelingt die Vergebung dann auch anderen Menschen gegenüber.

Schriftliches Vergeben

Einigen Menschen gegenüber gelingt mir die persönliche Vergebung (noch) nicht bzw. nur unzureichend oder es ist einfach zu spät. Stattdessen kann ich diesen Personen aber einen Brief schreiben.

Schreiben hilft …

In diesen Brief darf alles hinein, was mich belastet, was mich verletzt hat, was mich verzweifelt und allein zurückgelassen hat … aber immer mit der Bereitschaft zur Vergebung im Hintergrund. Ich muss nicht verstehen (obwohl das für mich bestimmt sehr hilfreich wäre) oder gar verteidigen, warum der andere so gehandelt hat.

Diese Briefe können anschließend verbrannt werden. Sie sollen/müssen gar nicht abgeschickt werden, sie sind nur für meine ganz persönliche Vergebungsarbeit gedacht.

Das Thema Vergebung beschäftigt mich nun schon eine Weile. Gestern Abend konnte ich die ersten zwei Briefe verbrennen. Nun schaue ich, ob die nächsten Begegnungen mit den auslösenden Personen für mich einfacher werden können.

und ab damit ins Feuer.

Einfacher wäre das Vergeben sicherlich, wenn einige Personen keinen Platz mehr in meinem Leben hätten, dass ist aus familiären Gründen leider nicht immer möglich. Aber ich schaffe es immer besser mich abzugrenzen und damit selber zu schützen.