Ganz knapp gesagt, regelt die Patientenverfügung, wie ich sterben möchte. Jeder Patient kann jederzeit lebensrettende Maßnahmen ablehnen und sterben. Meine Patientenverfügung ist eine Hilfestellung für meine Angehörigen, meine Wünsche im Sterbefall durchzusetzen, wenn ich diese nicht mehr selber bilden oder artikulieren kann.

Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen von mir recherchiert und verfasst worden. Er ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Und wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel!

In einer Patientenverfügung lege ich (hand)schriftlich dar, in welcher Art und Weise ich ärztliche Behandlung wünsche, wenn ich in diesen Situationen nicht mehr selber entscheiden kann bzw. meinen Willen nicht mehr artikulieren kann. Die Patientenverfügung muss nicht notariell beglaubigt werden. Eine einmal abgefasste Patientenverfügung kann jederzeit widerrufen werden. Jeder, der volljährig und einsichtsfähig ist (in Grenzfällen vom ärztlich oder notariell bescheinigen lassen) kann eine Patientenverfügung verfassen und dadurch ärztliche Maßnahmen beeinflussen und sein Recht auf Selbstbestimmung wahren.

Selbst bestimmen … ja das möchte ich. Deshalb habe ich mich in den letzten Tagen ausführlich mit Hilfe von zwei Broschüren – eine vom Bundesjustizministerium und eine zweite vom Bayrischen Justizministerium  – mit diesem Thema beschäftigt und habe meine Patientenverfügung unter Verwendung von Textbausteinen, die in den Broschüren aufgelistet sind, verfasst. Die Textbausteine aus den Broschüren müssen nicht eins zu eins übernommen werden. Sie bieten Anregung und verhindern, dass man etwas Wichtiges vergisst.

Festlegen von Situationen

Zunächst lege ich für mich die Situationen fest, in denen meine Patientenverfügung gelten soll:

  1. ich befinde mich im Sterbeprozess
  2. ich bin im Endstadium einer tödlichen verlaufenden Krankheit (austherapiert)
  3. ich habe eine Gehirnschädigung (keine Regeneration möglich nach Einschätzung von 1 oder 2 Ärzten)
  4. der Hinrnabbauprozess (z. B. durch Demenz) ist weit fortgeschritten

Keine der o. g. Broschüren geht auf das Thema Koma ein. Ich habe deshalb für mich weitere Situation festgelegt: 5. „Wenn ich mich länger als xx Monate im Koma/Wachkoma/in einem Zustand der Bewusstlosigkeit befinde …“

Die Anzahl der Monate sollte jeder in Abhängigkeit seines Alters wählen. Und dann könnte es ja sein, dass kurz vor Ablauf der Zeitspanne eine Verbesserung eintritt, eine neue Behandlungsmethode erfunden wurde, … aus diesem Grund habe ich folgenden Zusatz hinzugefügt: „Der Bevollmächtigte darf von der genannten Zeitspanne in Einzelfällen abweichen.“ Der Bevollmächtigte kann diese Zeitspanne also in Einzelfällen verlängern … aber auch verkürzen.

Zweiter Schritt: Festlegen von gewünschten Maßnahmen

Anschließend entscheide ich, was ich in diesen Situationen möchte, die Maßnahmen umfassen:

  • lebensrettende Maßnahmen
  • Schmerz- und Symptombehandlung
  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
  • Wiederbelebung (Achtung: „Falle“ siehe unten)
  • Künstliche Beatmung
  • Dialyse
  • Gabe von Antibiotika, Blut oder Blutbestandteilen

Zum Punkt Wiederbelebung erscheint mir die Broschüre des Bundesjustizministeriums (Seite 24, Punkt 2.3.4 Wiederbelebung) missverständlich.

„A. In den oben beschriebenen Situationen wünsche ich
–  Versuche der Wiederbelebung.
oder
– die Unterlassung von Versuchen der Wiederbelebung.
– dass eine Notärztin oder ein Notarzt nicht verständigt wird bzw. im Fall einer Hinzuziehung unverzüglich über meine Ablehnung von Wiederbelebungsmaßnahmen informiert wird.“

Soweit so gut … aber jetzt …

„B. Nicht nur in den oben beschriebenen Situationen, sondern in allen Fällen eines Kreislaufstillstands oder Atemversagens
– lehne ich Wiederbelebungsmaßnahmen ab.
oder
– lehne ich Wiederbelebungsmaßnahmen ab, sofern diese Situationen nicht im Rahmen ärztlicher Maßnahmen (z. B. Operationen) unerwartet eintreten.“

Das würde bedeuten, das mich niemand wiederbeleben dürfte, wenn morgen im Supermarkt mein Kreislauf zusammenbricht bzw. meine Atmung aussetzt. Und nein … das möchte ich nicht … zumindest noch nicht. Wenn ich dann mit 99 Jahren einen Kreislauf- oder Atemstillstand habe, während ich mit meinem Rollator durch den Supermarkt schiebe sehe ich das sicherlich anders. Diesen Teil des Textbausteines übernehme ich für meine jetzige Patientenverfügung nicht.

Organspende

Ich möchte meine Organe spenden, falls das möglich ist, und habe einen Organspendeausweis. Deshalb soll meine Patientenverfügung für den Sonderfall Hirntod nicht vorgehen.

Bestätigung/Überarbeitung

Aufgrund von fortschreitender Lebenserfahrung bzw. neu diagnostizierten Krankheiten kann sich die eigene Einstellung ändern. Daher werde ich mich Anfang nächsten Jahres (dann wenn ich unsere Hausapotheke aussortiere) erneut mit meiner Patientenverfügung befassen.

 

Und nachdem ich abschließend noch meine Wertvorstellungen formuliert habe (diese sollen demjenigen, der meine Wünsche dann im Ernstfall durchsetzen muss, Hilfestellung geben gemeinsam mit den Ärzten eine für mich richtige Entscheidung zu treffen) … gehe ich leben

Make the rest of your life, the best of your life.