#meinaprilmitmir

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Mein Lieblingsmonat fing ziemlich bescheiden an. Im März hatte mich plötzlich einsetzender Schwankschwindel auf dem Radweg zur Arbeit zunächst auf die Couch und anschließend ins Krankenhaus befördert. Dort konnten die schlimmsten Ursachen (Schlaganfall, Hirninfarkt, Tumor im Kopf) ausgeschlossen werden.

Aufgrund des MRT vom Kopf stellte eine extern hinzugerufene Neurologin dann eine erste Diagnose:

Vestibularisparoxysmie

Ich war so froh, dass endlich etwas festgestellt wurde und ich nur (vermutlich bis an mein Lebensende) Tabletten nehme müsste, aber man das damit ganz gut in den Griff bekommen würde. Ich hätte alles genommen, wenn bloß der Schwindel aufhören würde.

Aus dem Krankenhaus „in gutem Allgemeinbefinden“ entlassen, immer noch schwindelnd, selbst der Weg vom Bett zur Toilette kam mir nicht machbar vor, fing ich an das Internet zu befragen und hatte anschließend mehr Fragen als Antworten und keinen neurologischen Facharzttermin in Sicht.

Die Wartezeiten in neurologischen Praxen liegen derzeit zwischen vier bis acht Monaten. Hinzu kamen die Osterferien. Glücklicherweise ging es dann doch schneller …

Am ersten April folgte der erste Termin beim niedergelassenen Facharzt (HNO).

Schon die Autofahrt über Land dorthin war die reinste Tortur für mich. Auf dem Parkplatz angekommen hatten wir glücklicherweise genügend Zeit eingeplant, so dass ich mich wieder sammeln konnte. Ich saß heulend im Auto und konnte mir nicht vorstellen, wie ich den Weg über den Parkplatz, ins Treppenhaus, mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock, dort über eine Art offenen Balkon in die Praxis schaffen sollte.

Dort oben mehr recht als schlecht angekommen, hätten wir Schlange stehen müssen, aber glücklicherweise sah mich die Arzthelferin, stürzte auf mich zu, nahm mich in den Arm, bugsierte mich auf einen Stuhl und sagte: „Ich weiß wie sich das anfühlt. Machen Sie sich keine Sorgen, dass bekommen wir alles wieder hin.“

Der Arzt stellte „leider“ fest, dass mein Gleichgewichtssinn im Ohr ganz hervorragend arbeitet und genau das tut, was er sollte. Gerne hätte er mir etwas anderes gesagt. Die Erstdiagnose der Neurologin sah er nicht bestätigt und empfahl neben dem Einholen einer Zweitmeinung beim Neurologen auch einen Besuch beim Orthopäden.

„Schwindel ist eine Unlustempfindung des Körpers, die
aus einer Störung im Raum entspringt“
.

Hermann Oppenheim(er)

Zwei Wochen später schlich ich in Bremen schwindelnd und heulend an Schaufensterscheiben entlang und erreichte irgendwie den dritten Stock und das Wartezimmer der neurologischen Praxis, wo ich eine Stunde warten musste, weil es wohl Verständigungsprobleme bei der Terminvereinbarung gab. Der Neurologe sah die Diagnose seiner Kollegin durch meine Symptome ebenfalls nicht bestätigt. Wir vereinbarten, dass ich die Medikamente noch eine Woche weiternehme und ich bekam einen neuen Termin.

Der Orthopäde entdeckte dann ein paar Tage später einen „Knick“ in der Halswirbelsäule auf dem Röntgenbild. Da er einen Bandscheibenvorfall nicht ausschließen konnte, sollte ich noch einmal ins MRT. Erwähnte ich schon, dass ich „Platzangst“ habe? Und das ich jetzt eine Woche lang nach HWS und Bandscheibenvorfall recherchiert habe?

Ende der Woche dann der erneute Termin beim Neurologen. Dieser glaubt übrigens nicht, dass es an der Halswirbelsäule liegen könnte. Das war mir mittlerweile egal … ich stehe da auf dem Standpunkt

wer heilt, hat recht.

Es waren weiterhin keine deutlichen Verbesserungen meines Schwindels zu sehen. Kurze Strecken Zuhause im Haus waren zwar kein Problem mehr … ich konnte einfach aufstehen und zur Toilette gehen oder mir einen Tee machen … so schön … aber „freie Strecken“ z. B. im Garten einfach nur zehn Meter Richtung Vogelfutterhäuschen brachten mich komplett aus dem Gleichgewicht. So wurde dann beschlossen, das nicht gerade nebenwirkungsfreie Medikament übers Wochenende wieder auszuschleichen, um zu schauen, ob der Schwindel wieder schlimmer wird.

Ich hoffte nicht, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich sonst das MRT am Montag erreichen sollte.

Am Montag konnte ich dann ohne Unterstützung meines Mannes vom Auto bis zur radiologischen Praxis gehen schleichen. Fünf Meter waren das zwar nur, für mich aber ein Meilenstein. Vor Freude heulend, dass ich diese fünf Meter alleine geschafft hatte, habe ich das MRT irgendwie überstanden. Immerhin bekommt man beim MRT der Halswirbelsäule nicht noch zusätzlich ein beengendes Gestell um den Kopf.

Der Radiologe konnte zwar keine tadellose Halswirbelsäule erkennen, die hat man in „unserem Alter“ eben auch nicht mehr, aber ebenfalls keinerlei Anzeichen, die so einen starken Schwindel auslösen sollten.

Dieser Radiologe hatte auch das MRT meines Kopfes im März beurteilt, aufgrund dessen es zur Erstdiagnose der Neurologin kam. Er nahm sich Zeit für mich und so zeigte er mir das MRT vom Kopf und wir sprachen über eben diese Erstdiagnose. Auch er war der Auffassung, dass meine Symptome eben nicht zu diesem Krankheitsbild passen.

Ein paar Tage später ging es dann wieder zum Orthopäden, ich bewältige den Weg vom Parkplatz, in den Fahrstuhl zur Praxis alleine. Und da Fahrstuhlfahren auch nicht so meins ist, überlegte ich sogar kurz, ob ich nicht die Treppe bis in den ersten Stock nehmen sollte.

Der Orthopäde entließ mich mit einem Rezept für manuelle Therapie und der Aussage, dass die Ursache für die meisten Schwindelerkrankungen nicht gefunden wird in die Hände meines Hausarztes. Ich solle mir Zeit geben und mich ganz erholen, mich im Rahmen der Möglichkeiten viel bewegen und auf meinen Körper vertrauen. Auf dem Weg nach unten nahm ich die Treppe …

Am 30. April hatte ich dann den letzten (telefonischen) Termin mit dem Neurologen. Meine Schwindelbeschwerden hatten sich nach dem Absetzen der Medikamente nicht nur nicht verschlechtert, sondern deutlich verbessert.

Ich bewege mich seitdem schwindelfrei in Haus und Garten und bin schon eine kleine Strecke an der Hand meines Mannes spazierengegangen geschlichen.

Einen Menschen zu heilen heißt, ihm den verlorenen Mut wiederzugeben.

Phil bosmans

Nun bin ich durch meinen Hausarzt vorerst zwei weitere Wochen krankgeschrieben, werde fleißig meinen Gleichgewichssinn und das Vertrauen in meinen Körper trainieren und wieder gesund werden.

Ich habe viel geweint im April, zuerst aus Angst, zum Ende hin vor Glück über klitzekleine Fortschritte.

Was sonst noch so los war?

Für einen April nicht wirklich viel. Dennoch: beide Kinder waren rund um Ostern zu Besuch, meine Eltern waren zu meinem Geburtstag da, alle meine Lieben (und ich auch) sind gegen Corona erstgeimpft.

Und nun lieber Mai … ich hätte gerne frühlingshaftes Wetter, das wäre bei meiner weiteren Genesung sicherlich sehr förderlich.

2 Kommentare

  1. Nicole

    Liebe Katrin,
    puh, ich habe beim Lesen deiner Zeilen mit dir gelitten. Das Schlimmste ist immer, wenn das Kind keinen Namen hat. Auf alles andere kann man sich einstellen und reagieren. Mein Tipp hätte sich vermurlich auch auf die Halswirbelsäule gestützt, ich hatte als Jugendliche mal etwas ähnliches.
    Aber manchmal gibt es keine Ursachen und ich würde dir wünschen, dass dein Körper sich vielleicht ’nur‘ etwas Ruhe wünscht nach deinem aufregenden Jahr. Hast du mal an eine Gesprächstherapie gedacht? Ich weiß, das klingt komisch, aber eventuell tastest du dih so an die Ursache heran?
    Ich wünsche dir alles Gute und dass du immer weiter schleichen und bald wieder richtig voran schreitest.
    Liebe Grüße
    von Nicole

    • kh

      Liebe Nicole,

      ich bin ja (genau wie Du scheinbar) davon überzeugt, dass es an der Halswirbelsäule liegt, auch wenn das sonst niemand glaubt. 😉 Aber keiner der fachärztlichen Experten kennt mich ja so gut wie ich selbst.

      Und seit Oktober letzten Jahres im ständigen Durchzug (wegen Corona) mit Maske (schlechte Sauerstoffversorgung) und im neuen Büro immer noch an einem nicht höhenverstellbaren Schreibtisch mit nicht passendem Stuhl zu sitzen, ist sicherlich nicht hilfreich. Das rächt sich vermutlich jetzt.

      Ab Mitte Mai beginnt die Physiotherapie, dessen Rezept ich mir mühsam erbetteln musste. Die Übungen, die ich bisher vorsichtig zu Hause mache, sind schon mal sehr hilfreich und tun mir gut, ebenso wie Wärme … ich und mein Nacken wir lieben das erwärmte Dinkelkissen. Und ja … auch über die psychische Komponente habe ich bereits nachgedacht. Aber da an Termine zu kommen ist noch schwieriger und langwieriger als das Vereinbaren von Facharztterminen. Mal schauen …

      Das Wichtigste ist meiner Meinung nach jetzt Zeit … und die werde ich mir geben und mein Arzt, auf dessen Krankschreibung ich ja angewiesen bin, hoffentlich auch.

      Liebe Grüße
      von Katrin

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